Städtische Museen

Landsberg am Lech

Museum, Corona und das Sammeln der Gegenwart

Verlassenes Schachspiel auf dem Freizeitgelände UttingVerlassenes Schachspiel - Leere am Ammersee während des Lockdowns © Risto Griesang

Mai 2020

Eine der zentralen Aufgaben des Museums ist das Sammeln und Bewahren materieller und immaterieller Zeugnisse der Menschen. Schnell folgt im öffentlichen Bewusstsein darauf die Assoziation „aus der Vergangenheit“. Doch auch die Gegenwart ist spätestens für kommende Generationen Geschichte und sollte gesammelt werden solange sie aktuell ist und Objekte und Geschichten greifbar sind.

Die Schwierigkeit des Sammelns von Gegenwart besteht darin, ohne zeitliche Distanz zu beurteilen, was für die eigene Zeit typisch ist oder lohnt, aufbewahrt zu werden. Oft erscheinen Alltagsdinge banal, bis sie verloren gehen. Meist ist erst im Rückblick zu erkennen, welche Ereignisse oder Trends tatsächlich von Bedeutung waren, an welcher Stelle sich der Alltag der Menschen verändert hat. Deshalb stellt das Sammeln der Gegenwart für Museen eine Herausforderung dar.

Ganz anders im Falle der derzeitigen Corona-Pandemie. Sie ist klar als einschneidendes geschichtliches Ereignis im Alltag aller Menschen zu erkennen. Sie wirkt sich spürbar und sichtbar auf den Alltag der Menschen aus, verändert Gewohnheiten, Interaktionen, zwischenmenschliche Beziehungen, Haltungen, Werte, Diskurse, Arbeitsleben und Freizeit. Sie hat enorme Auswirkungen auf den öffentlichen Raum. Und sie ist verbunden mit konkreten Schlagworten und Symbolen, die diese Zeit charakterisieren: Hamsterkäufe und Klopapierkrise, Homeoffice und Zoom-Konferenzen, Social Distancing und Community-Masken sind nur als wenige Beispiele zu nennen.

Wir erleben derzeit gleichzeitig die Bedeutung des Digitalen für Schule, Arbeitswelt und Kulturbereich sowie eine neue Wertschätzung für das analoge Leben, für Gemeinschaft und Face-to-Face-Begegnungen, für Traditionen und Feste, für Bewegungsfreiheit. Die Corona-Zeit ist eine Zeit der Einschränkungen, Sorgen und Ängste. Sie erweist sich aber auch als Zeit der Kreativität in den unterschiedlichsten Bereichen. Freunde treffen sich zum Spieleabend über Videokonferenz, Balkonkonzerte bringen Nachbarschaften zusammen. Wer nicht ins Fitnessstudio gehen kann, wird zuhause erfinderisch. Fußballmannschaften beweisen augenzwinkernd ihr Können bei der Klorollen-Challenge. Regenbogenbilder und bunte Steinketten zieren die Straßen, selbstgenähte Community-Masken in allen Formen und Farben werden zum Frühjahrs-Accessoire. Kunstinteressierte stellen ihre Lieblingsgemälde auf Instagram nach. Musiker geben Konzerte aus ihrem Wohnzimmer. Museen testen neue digitale Vermittlungsmöglichkeiten.

Wir als Museum möchten diese ungewöhnliche Zeit in all ihren Facetten dokumentieren und ihre Zeugnisse sammeln. Ein komplexes Unterfangen. Um ein breites Spektrum an Aspekten, Objekten und Geschichten abdecken zu können, bitten wir die Landsbergerinnen und Landsberger darum, gemeinsam mit uns zu sammeln und Erfahrungen und Geschichten mit uns zu teilen. Wir suchen Fotos, Videos, Texte, Objekte und die Geschichten, die in ihnen stecken. Interessant ist alles, was den Alltag der Menschen und ihren Umgang mit der Krise prägt.

An welchen konkreten Dingen und Erscheinungen machen wir die Veränderungen in unserem Alltag fest? Was bestimmt den derzeitigen Alltag? Wie wird man sich in Landsberg, aber auch allgemein, an diese Zeit erinnern? Was werden nachfolgende Generationen über unsere Gegenwart erfahren?

Helfen Sie mit Geschichten zu schreiben!

Das Museumsteam bedankt sich bei allen, die sich bereits am Sammlungsaufruf beteiligt haben und freut sich auf zahlreiche weitere Einreichungen.

Informationen zum Sammlungsaufruf und eine Auswahl der bisherigen Beiträge finden Sie hier auf der Website unter dem Reiter „Corona“.

Museumswebsite gefördert durch:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung